Was ist eigentlich TransIdentität?

Vorweg: Viele Begriffe sind im Fluss und werden von verschiedenen Personen zudem unterschiedlich gebraucht.

Wir sind alle keine ausgebildeten Mediziner, haben uns aber in 500 Stunden Recherche in Büchern, bei Ärzten, im Internet vieles angelesen. Wir haben nicht den Anspruch, alles vollständig und dem aktuellen wissenschaftlichen Stand gemäß korrekt zu erklären. Dafür gehe bitte zu den Ärzten, die sich damit auskennen.

Wenn dir einige vereinfachte Darstellungen und 80%-Faustregeln reichen, um einen ersten Einstieg zu bekommen, dann herzlich willkommen!


TransIdentität (oder auch "Transsexualität" genannt) ist eine Abweichung der Geschlechtsidentität, der du dich zurechnest, von den biologischen Geschlechtsmerkmalen, mit denen du von Geburt an ausgestattet wurdest. Laienhaft ausgedrückt: Wenn ich dich frage, ob du Frau oder Mann bist, musst du nicht erst in der Hose nachschauen, sondern weißt einfach, was du bist. Dumm nur, wenn der Blick in die Hose nicht mit dem übereinstimmt, was du im Innersten weißt.

Zur Veranschaulichung der verschiedenen Begriffe, die Laien (und vor einigen Jahren waren wir alle noch Laien) gerne ohne böse Absicht durcheinanderwerfen, gibt es die Genderbread-Figur (in Anspielung auf das Gingerbread-, das Lebkuchenmännchen).

Das Genderbread-Männchen, eine optische Veranschaulichung
	der vier verschiedenen Geschlechts-Dimensionen

Bei der Grafik habe ich mich durch den CisNormativity Blog, http://cisnormativity.tumblr.com/post/9652156368/gingerbread-person-this-is-an-anthropomorphic inspirieren lassen, die untenstehende Tabelle habe ich mir selbst zusammengereimt. Eventuelle Fehler / Ungenauigkeiten / Unvollständigkeiten gehen auf mein Konto. Ich bitte erstens um Entschuldigung, zweitens um einen kurzen Hinweis!

Jeder Mensch hat vier Geschlechts-Dimensionen:

Diese vier Dimensionen sind unabhängig voneinander. Es gibt viele Kombinationen, und jede davon ist völlig legitim! Es gibt keine "unnormale" (oder sogar krankhafte oder perverse) Kombination. Nur statistisch häufigere oder seltenere.

Biologisches
Geschlecht
Geschlechts-
Identität
Erscheinungs-
bild
Emotionale
Orientierung
Beschreibung
F
M
F
M
F
M
M
F
Der statistisch häufigste Fall. Jemand hat weibliche Geschlechtsorgane, fühlt sich als Frau, sieht wie eine Frau aus, und füt sich dem Männern zugetan. Oder genau umgekehrt (MMMF).
50:50 Intersexuell, Hermaphrodit, Zwitter: Geschlechtsorgane sind nicht eindeutig männlich oder weiblich. Früher wurde da kurzerhand hemdsärmelig entschieden, mittlerweile gibt es die Möglichkeit der Geschlechtszuordnung "divers".
F M Transident (alias Transsexuell, das rückt den Sachverhalt aber allein durch das Wort "sexuell" unnötig in die Schmuddelecke), Transmann, FzM ("Frau zu Mann")
M F Transident (alias Transsexuell, siehe oben), Transfrau, MzF ("Mann zu Frau")
50:50 Androgyn: Menschen, die sich bewusst nicht geschlechtlich zugeordnet darstellen oder anderen Menschen so erscheinen. (Sozusagen "weder Mann noch Frau")
Das Erscheinungsbild ist dementsprechend oft ebenso nicht eindeutig.
F ↔ M Bigender: Menschen, die bewusst oder unbewusst zwischem primär männlichem und primär weiblichem Verhalten und Selbstverständnis wechseln ("Sowohl Mann als auch Frau")
M
F
M
F
F
M
Cross-Dresser, Transvestit, Drag-Queen bzw -King (DRAG = DRessed as A Girl/Guy): Das Tragen der spezifischen Bekleidung eines anderen Geschlechtes, erst einmal unabhängig vom Beweggrund. Das kann dem persönlichen Lustgewinn dienen, aber auch humoristische Züge tragen (Travestie, "dicke Männer tanzen auf der Karnevalssitzung Schwanensee").
F F Lesbisch
M M Schwul

Darüber hinaus gibt es noch viele absolut übliche Verhaltensweisen, die nichts mit TransIdentität zu tun haben.

Dein Sohn trägt rosa Pullover und spielt mit Barbie-Puppen? Deine Tochter klettert in die Baumspitzen und prügelt sich mit anderen Kindern um die Lego-Steine?
Wenn dein Kind damit glücklich ist, so what? Es gibt auch Frauen beim Armdrücken oder Rugby und Männer beim Synchronschwimmen.

Nur wenn dein Kind mit seiner persönlichen Kombination der vier Dimensionen unglücklich ist, gibt es Handlungsbedarf. Was dann davon zutrifft, (und ob überhaupt, schließlich wird in der Pubertät das Hirn drastisch umgebaut), kann nur ein Facharzt beurteilen.